Zucker-Tricks bei Fertig-Produkten

Wir machen diese Overnight-oats.de-Geschichte nun schon seit einigen Monaten. Und werden seit dem immer wieder gefragt, warum unsere Oats häufig nicht so süss sind. Nun ja, für uns sind sie das. Aber anders als zum Beispiel viele amerikanische Oats-Fans rühren wir halt selten Sirup, Honig oder Stevia unter. Und das hat den simplen Grund, dass wir schon seit einigen Jahren kaum noch Haushaltszucker in unserer Küche verwenden (Stichwort: Clean Eating). Und je länger man gar keinen oder nur ganz gezielt Zucker verwendet, desto weniger fehlt er einem. Wenn unsere Overnight Oats für euch nicht süß genug ist, süßt einfach mit eurem Lieblingssüßungsmittel (Zucker, Honig, Stevia und Co.) nach. Genau das ist ja der Vorteil eines selbst gemachten Frühstücks. Du kannst es eben mit Zucker oder ohne machen…

Versteckte Zucker

Bei gekauften Müslis, Porridge oder Müsliriegeln sieht das schon anders aus, wie wir euch gleich mehr oder weniger kompakt erläutern. Die Verpackungen auch vermeintlich gesunder Lebensmittel verkünden in großen Lettern die Botschaft:

  • ohne jeglichen Zuckerzusatz
  • kein Zucker als einzelne Zutat
  • der Zucker stammt nur aus den verarbeiteten Zutaten
  • Müsli mit natürlicher Süße
  • ganz natürlich z.B. durch Apfeldicksaft oder Honig gesüßt
  • nur mit natürlichem Fruchtzucker

 

Klingt erstmal gut. Aber schauen wir mal näher hin: Was sind Zucker und vor allem wie müssen sie bei einem Lebensmittelprodukt gekennzeichnet werden?

Kohlenhydrate sind, neben Fetten und Proteinen, einer der energieliefernden Nährstoffe für den Menschen. Die Grundeinheiten der Kohlenhydrate sind die Einfachzucker. Je nachdem, wie viele dieser Grundeinheiten miteinander verbunden sind, unterscheidet man 4 Gruppen:

  • Monosaccharide (1 Grundeinheit, daher auch als Einfachzucker bezeichnet)
  • Disaccharide (2 Einheiten = Zweifachzucker)
  • Oligosaccharide (3-9 Einheiten)
  • Polysaccharide (> 10 Einheiten = Vielfachzucker)

Wichtig zu wissen ist: Als Zucker werden zum einen alle Mono- und Disaccharide bezeichnet. Zum anderen ist Zucker die Handelsbezeichnung für den Zweifachzucker Saccharose.

Und hier wird es interessant, denn bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln können in der Zutatenliste die verschiedenen Zuckerarten mit ihrem chemischen Namen oder einem Trivialnamen angegeben werden, also z. B. Fruktose oder Glukose, Gersten- oder Maismalz. Nur Saccharose, auch als Haushaltszucker bekannt, muss auf der Zutatenliste als Zucker ausgewiesen werden.

Praktisch heißt das, je mehr alternative Zuckerarten (Dextrose, Glucose- und Invertzuckersirup, Traubensaftkonzentrat, Maltodextrin oder Süßmolkenpulver, um mal nur ein paar zu nennen) in einem Produkt verwendet werden, desto weiter nach hinten rückt der Begriff ZUCKER auf der Zutatenliste. Und da die Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteiles nach angeordnet werden müssen, könnte man bei einem flüchtigen Blick auf die Liste glauben, dass es sich um ein gesundes zuckerarmes Produkt handelt.

In Wirklichkeit aber enthält das Fertigprodukt, z.B. das Müsli, jede Menge Zucker. Und dieser Zucker führt, aufgrund seines hohen glykämische Index, zu einem schnellen und hohen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Gefolgt von einer starken Insulinreaktion um den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. Und ein absinkender Blutzuckerspiegel ist eines der Signale, die dem Körper Hunger vermitteln. Also alles Aspekte, die man in einer bewussten gesunden Ernährung eigentlich vermeiden möchte.

keine lust auf zucker-tricks

Das wir uns nicht falsch verstehen, ich habe per se nichts gegen Zucker. Auch in unseren Oats stecken Zucker, in Form von Frucht- und Milchzucker. Was mich aber ärgert, ist das bei Fertigprodukten jeglicher Art durch eine geschickte Wortwahl im Werbespruch und die Verwendung von Trivial- oder chemischen Namen für Zucker in der Zutatenliste ein Produkt als gesünder verkauft wird als es wirklich ist. Vor allem die Aussage „der Zucker stammt nur aus den verarbeiteten Zutaten“ finde ich kritisch. Heißt für mich frei übersetzt: wir haben zwar keinen Zucker pur ins Müsli geschüttet, aber dafür haben wir einzelne Zutaten mit Zucker umhüllt/versetzt und dann ins Müsli getan. Ob Zucker pur oder als Bestandteil einer Zutat wie z.B. Flakes, Balls, Crunchies, Crispies, Puffs und Co.. Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Unterschied für die Gesundheit und möchte diesen geschickt versteckten Zucker nicht.

Selbst süßen

Und die Konsequenz: ich mach es wie bisher und mische mir meine Oats/Müsli selbst! Und dazu gibt es frische Früchte, so bekomme ich eine dezente Süße plus Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe.

Zum Schluss noch ein Tipp: anstatt auf die Zutatenliste, schaut besser auf die Nährwertkennzeichnung von Fertigprodukten jeglicher Art. Denn bei der Nährwertkennzeichnung umfasst der ausgewiesene Zuckeranteil alle im Lebensmittel enthaltenen Einfach- und Zweifachzucker und bietet so eine rasche und verlässliche Info, ob es sich wirklich um ein zuckerarmes Produkt handelt.

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